Jahreswohlstandsbericht 2019

Was macht unseren Wohlstand aus und wie können wir ihn messen? Dieser Frage widmet sich auch der diesjährige Jahreswohlstandsbericht - nach 2016 und 2017 nunmehr zum dritten Mal.

Der Status quo wird zum Risiko

In den Dimensionen Ökologisch, Sozial und Ökonomisch bleiben unsere Indikatoren weit von den Zielwerten entfernt. Lediglich in der gesellschaftlichen Dimension ist das Bild positiv, doch auch hier zeigt der Teilindex „Politische Stabilität“ einen Rückgang. In der Gesamtschau reichen einige zaghafte Verbesserungen nicht aus, um eine Trendwende einzuleiten. Mit dem Verharren im Status quo riskieren wir - ähnlich wie beim Klimawandel - Kipppunkte zu erreichen, nach denen sich negative Entwicklungen dynamisch beschleunigen. Die Ressource Zukunft wird knapp.

Geht es so weiter, wird sich die Kluft zwischen unserem ökologischen Fußabdruck und der verfügbaren Biokapazität erst in 100 Jahren schließen. Hier ist keine Trendwende in Sicht. Artenvielfalt und Landschaftsqualität leiden besonders unter Intensivlandwirtschaft, hohen Nähr- und Schadstoffeinträgen, und auch die weitergehende Zersiedlung wirkt sich negativ aus. Auch der Anteil der Umweltschutzgüter an der Wertschöpfung ist auf den tiefsten Stand seit über 10 Jahren gefallen. Der ökologische Wandel zu einer Green Economy, der wirtschaftliche Vorteile und eine bessere Lebensqualität bietet, verliert an Dynamik.

Die Einkommensschere hat sich nur wenig geschlossen. Die gute konjunkturelle Situation ist offensichtlich an den kleinen Einkommen weitgehend vorbeigegangen, zudem wurden sie nicht gezielt entlastet. Und auch bei guter und chancengleicher Biung geht es nur langsam voran. Der Anteil der Bildungsausgaben am BIP stagniert. Auch
im internationalen Vergleich investiert Deutschland zu wenig in die Zukunftsressource Bildung. Zwar geht es bei den Investitionen zaghaft nach oben, doch der langfristig negative Trend bleibt ungebrochen. Mit Blick auf die verfestigten Unterschiede in den regionalen Lebensverhältnissen (neuer Indikator) und die digitalen Herausforderungen fehlen hier klare Prioritäten. Die ökonomische Basis unseres Wohlstands erodiert weiter.

In diesem Bericht spiegeln ein neues Kapitel und ein neuer Indikator die unterschiedliche Entwicklung der regionalen Lebensverhältnisse in Deutschland wider. Hinzu kommt ein Sonderkapitel zum Wert der Natur und ihrer Dienstleistungen – ein Thema, das in Deutschland bislang weitgehend unterschätzt wurde. 

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